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Kino

'Es gibt nichts Effizienteres als UIP'

Nach der EU-Ankündigung, das Vertriebs-Joint-venture (UIP) bestehen zu lassen, sieht Präsident Paul Oneile, der im Juni bei der Cinema Expo 1999 in Amsterdam als "Distributor of the Year" ausgezeichnet wird, das Unternehmen vor rosigen Zeiten. Besonders Deutschland sei ein Wachstumsmarkt, so Oneile im Gespräch mit Blickpunkt:Film

Rico Rabiat Rendler08.04.1999 22:00
UIP-Chef Paul Oneile
UIP-Chef Paul Oneile

"Wir waren immer zuversichtlich, daß der Fall für uns gut ausgeht, denn unsere Argumente sind überzeugend." Paul Oneile sieht sich bestätigt in der Ankündigung von EU-Wettbewerbskommissar Karel van Miert, daß die EU voraussichtlich UIP erlauben wird, auf dem europäischen Kontinent weiterzubestehen. Oneile will aber nicht voreilig jubeln. "Wir freuen uns zwar sehr über van Mierts öffentliches Statement, aber wir dürfen zu diesem Zeitpunkt nicht zu selbstgewiß sein." Schließlich habe van Miert eine Erlaubnis nur in Aussicht gestellt, wenn UIP, eine Partnerschaft der Studios Universal, MGM/United Artists und Paramount, bestimmte Bedingungen genau einhalte.

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Für Oneile bedeutet dies aber nicht, neu zu verhandeln: "Die Sache zieht sich schon eine ganze Weile hin. Wir hoffen nun, daß wir endlich die positive Antwort bekommen, die van Miert angedeutet hat." Die Entscheidung der Europäischen Kommission gäbe UIP neuen Aufschwung. Denn Beobachter hatten die Zukunft von UIP wiederholt in Frage gestellt, weil sich Universal schon aus anderen Partnerschaften mit Paramount, etwa dem Kinobetrieb UCI, zurückzieht, außerdem mit der Akquise von Polygram Filmed Entertainment in vielen europäischen Ländern über eine eigene Vertriebsstuktur verfügt.

Oneile glaubt nicht, daß ein Rückzug auch beim Filmverleih bevorsteht: "Es gibt keinen effizienteren Weg, Filme auf den Markt zu bringen als durch eine Struktur wie UIP. Das Joint-venture ist ein einzigartiger Aktivposten für unsere Shareholder. Weder hätten wir als Unternehmen soviel Zeit und Geld im Streit mit der EU verbraucht noch hätten die drei Studios UIP derart einhellig unterstützt, wenn es nicht die Absicht gäbe, UIP zusammenzuhalten. Was UIP angeht, wird sich an der Struktur, der Arbeitsweise und an den Studios, die repräsentiert werden, nichts ändern." Auch die Partnerschaft mit Universal beim Videovertrieb CIC werde weitergehen - zumindest in den Gebieten, in denen noch keine Polygram-Strukturen bestünden, so der UIP-Chef.

Oneile sagt dem europäischen Kinosektor und speziell seinem Unternehmen eine schöne Zukunft voraus. "Auf UIP sehen wir eine Welle äußerst starker Produkte in den nächsten fünf Jahren zukommen. Für das Verleihgeschäft im ganzen wird die Situation rosig sein. Ich glaube, daß sich die wirtschaftliche Situation der Kinobranche stabilisiert. Die Kinoinfrastruktur entwickelt sich weltweit, neue Märkte entstehen, die Zuschauer kehren in großen Scharen in die Kinos zurück. Wir haben uns in Europa einen jährlichen Pro-Kopf-Besuch von etwa vier bis fünf zum Ziel gesetzt. Das wird nicht über Nacht passieren. Aber allein auf dem deutschen Markt ist enormes Wachstum möglich. Obwohl dort neue Multiplexe entstehen, kommt ihre Zahl der in anderen Ländern nicht einmal nahe. Wir stehen erst ganz am Anfang der Marktentwicklung in Deutschland."

Positiv sieht Oneile auch die Entwicklung der digitalen Kinotechnik. Die Vorteile seien enorm, gerade was die Kosten bei der Herstellung und dem Versand von Kopien betrifft. Einen Film als Diskette zu verschicken oder via Satellit zu übertragen, würde es zudem erleichtern, neue Filme auf der ganzen Welt gleichzeitig zu starten. Aber Oneile sieht auch negative Aspekte der neuen Technik: "Die große Publicity, die einen Filmstart in den USA oder in Großbritanien begleitet, wirkt sich immer auf den Start in Nachbarmärkten aus. Das würde aufhören. Aber die Produktpiraterie würde sicher zurückgehen, und das ist gut."

Bedenklich stimmen Oneile die steigenden Werbekosten für Filme. Es sei unrealistisch zu glauben, daß diese sich wieder zurückschrauben ließen: "Wir können das Geld nur effektiver ausgeben, um unsere Zielgruppen wirtschaftlicher zu erreichen." Oneile will deshalb verstärkt auf Marketing im Internet setzen: "Wir haben maßgeschneiderte Webseiten in allen internationalen Märkten, auch in Deutschland. Sie werden nie Alternativen sein, aber sie können als Ergänzung eingesetzt werden, um die Werbeaktivitäten auzubalancieren."

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