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Kino

Die Verleiher ziehen Bilanz für 1998

Ein Plus von 158 Mio. Mark für den Gesamtverleihmarkt, Einbußen bei den Independents: Die Verleiherbilanz 1998 ist uneinheitlich. Die Majors sind zufrieden, von einer Durststrecke spricht mancher Indie-Verleiher.

Kristian Bauer13.01.1999 23:00
Grund zur Freude: Vincent de La Tour (Fox)
Grund zur Freude: Vincent de La Tour (Fox)

"Das ist fantastisch", freut sich Vincent de La Tour, Geschäftsführer von Fox.

"Wir sind zum ersten Mal Nummer eins und das mit einem so starken Box-Office-Ergebnis." War es 1997 mit Fox noch bergab gegangen, katapultierte "Titanic" den Verleih mit 21,7 Prozent Marktanteil an die Spitze. Doch selbst wenn man das "Titanic"-Wunder, das zu etwa 60 Prozent am Fox-Ergebnis beteiligt war, einmal beiseite ließe, sei das Ergebnis "immer noch gut". Denn auch Filme wie "Akte X" und "Dr. Dolittle" seien sehr gut gelaufen. Für 1999 rechnet sich de La Tour mit "Star Wars - Episode 1" (2. September) und dem Oscar-Anwärter "Der schmale Grat" (25. Februar) erneut sehr gute Chancen aus.

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Strahlende Gesichter auch bei Buena Vista

. "Nach den Besucherzahlen sind wir sogar wieder Marktführer", meint Geschäftsführer Wolfgang Braun, rechnet man die Scotia-Aktivitäten dazu. Neben Blockbustern wie "Der Pferdeflüsterer" und "Mulan" seien auch die deutschen BVI-Filme gut angekommen. "Natürlich sind immer die Filme für den Erfolg ausschlaggebend, aber wir haben auch bei der Verleiharbeit und beim Marketing gute Arbeit geleistet", so Braun. Als Highlights für 1999 nennt er "23" und den "Pretty Woman"-Nachfolger "Runaway Bride" (16. September).

Kein Grund zur Klage auch bei UIP

, die sich im Vergleich zum Vorjahr nochmals steigern konnten und auf Platz drei gelandet sind. Geschäftsführer Paul Steinschulte sieht als Gründe für diese positive Entwicklung eine gestiegene Qualität der Produkte und auch der Verleiharbeit. "Besonders das zweite und das vierte Quartal waren stark. Wir hatten elf Filme mit mehr als einer Mio. Besucher und bekamen fünf Bogeys", so Steinschulte. Aber das Ausnahmeereignis "Titanic" habe die Entwicklung anderer Filme "gehemmt": "Das 'Titanic"-Jahr hatte für viele Filme negative Auswirkungen." Das Mio.-Ergebnis für "Out of Sight" sei eine der positiven Überraschungen.

Als einziger Major mußte Columbia TriStar

Marktanteils-Verluste hinnehmen. "Besser geht"s nicht", kommentiert Geschäftsführer Jürgen Schau die Bilanz für 1998 in Anspielung auf seinen Top-Film. Trotz der Rückgänge nennt er das Jahr "insgesamt zufriedenstellend". Man sei mit weniger Filmen an den Start gegangen. "Godzilla" habe trotz der öffentlichen Kritik am Marketing ein gutes Einspiel-ergebnis erzielt. "Zorro" blieb aber unter Schaus Erwartungen: "Hier war das Konkurrenz-Umfeld sehr stark", sagt er. Während die Gesamtstatistik auch 1998 wieder Zuwächse verzeichnete, konnten unter den deutschen Independent-Verleihern nur wenige davon profitieren. Ihr Umsatz-Marktanteil lag insgesamt bei 25,3 Prozent. Michael Marbach, Verleihchef von Constantin Film
nennt das vergangene Jahr eine "Durststrecke". "Wir können mit diesem Ergebnis natürlich nicht zufrieden sein", so Marbach. Im abgelaufenen Jahr hätte es einfach keine deutschen Stoffe mit einem Besucherpotential über drei Mio. gegeben. "Es liegt immer an der Ware", begründet er die Tatsache, daß der Marktanteil von Constantin im Vergleich zum Vorjahr um mehr als die Hälfte zurückgegangen ist. Jetzt blickt er zuversichtlich in die Zukunft. Mit "Asterix und Obelix" (18. März), "Late Show" (25. Februar) und "Werner 3" (15. Juli) habe Constantin drei Filme mit Hit-Potential im Programm. Allein "Werner 3" traut Marbach über drei Mio. Zuschauer zu.

Ein schwieriges Jahr hat auch Polygram hinter sich. "Der Verkauf des Konzerns hat den größten Teil des Jahres beherrscht", sagt Geschäftsführer Haig Balian. Unter diesen Umständen sei es natürlich schwer gewesen, Kontinuität herzustellen, man habe auch wenig Filme aquiriert. Mit dem Einspiel von "Spiceworld" zeigt sich Balian dennoch zufrieden. Für 1999 rechnet er mit einer Verdoppelung des Marktanteils. "Absolut glücklich" zeigt sich dagegen Prokino-Chef Stephan Hutter. "Vergleicht man das von uns eingesetzte Kapital mit der Rendite, sind wir ganz oben", sagt er. "Lola rennt" habe alle Erwartungen übertroffen, auch "Zugvögel" sei eine Überraschung gewesen. Hutter sieht sich in seiner Verleih- und Produktionsstrategie bestätigt.

Bei Concorde, mit leichten Zuwächsen auf Platz 13, sieht man keinen Grund zur Klage. "Wir haben erreicht, was wir uns vorgenommen haben", meint Geschäftsführerin Veronika Morawetz. "Fast alle Filme haben funktioniert, es gab aber auch keine Überraschungen." Zu den Gewinnern kann sich abermals auch Kinowelt zählen. Mit leichten Umsatzzuwächsen nun auf Platz fünf ist der erfolgreichste Independent-Verleih dem US-Major Columbia dicht auf den Fersen. "Trotz mancher Enttäuschung sind wir im großen und ganzen zufrieden", so Geschäftsführer Peter Heinzemann. Die Marktstellung sei gefestigt worden, die Kinowelt nun ein ernstgenommener Partner bei den Kinobetreibern. Mit der umstrittenen Kampagne für "Studio 54" habe Kinowelt Aufsehen erregen können. Heinzemanns Wunsch für 1999: "Wir möchten mit der verstärkten Partnerschaft mit Miramax und New Line auf Platz vier kommen." Bei der Kinowelt-Tochter Arthaus sind die Augen ebenfalls nach vorne gerichtet. Nach der Übernahmeder Pandora-Bibliothek hat man 1999 u. a. die neuen Filme von Woody Allen, Jim Jarmusch und Robert Altman im Programm. "Das kann nur ein gutes Jahr werden", meint Thomas Matlok, Arthaus-Verkaufskoordinator: "Unser Ziel ist es, der führende Filmkunstverleih zu werden.'

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