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"Matrix Resurrections"

Am Donnerstag startet das letzte ganz große Highlight des Jahres in den deutschen Kino: "Matrix Resurrections" mit Keanu Reeves folgt 18 Jahre nach Abschluss der ersten Trilogie. Ob er die hohen Erwartungen erfüllen kann, lesen Sie in unserer Besprechung.

Thomas Schultze21.12.2021 16:00
Endlich wieder in der Matrix: "Matrix Resurrections"
Endlich wieder in der Matrix: "Matrix Resurrections" Warner Bros.

Am Donnerstag startet das letzte ganz große Highlight des Jahres in den deutschen Kino: "Matrix Resurrections"

mit Keanu Reeves
folgt 18 Jahre nach Abschluss der ersten Trilogie. Ob er die hohen Erwartungen erfüllen kann, lesen Sie in unserer Besprechung.

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Einst wurde nachgeladen und die Revolution verkündet, nun geht es nicht einfach um eine Wiedererweckung, sondern um Wiedererweckungen. Resurrections. Plural. Gekleckert wurde im "Matrix"

-Franchise noch nie, da wird Lana Wachowski
, die die ersten drei Teile noch mit ihrer Schwester Lilly gedreht hatte - beide damals noch Brüder und auf die Namen Larry und Andy hörend -, mit dem ersten Film der Reihe seit dem doch eher enttäuschenden "Revolutions" vor 18 Jahren jetzt sicher nicht anfangen, kleine Brötchen zu backen: Visueller Overkill und Bombardement der Informationen sind entscheidende Bestandteile der Matrix der "Matrix". Was sich die Filmemacherin diesmal aber geschenkt hat, ist aufdringliches Sendungsbewusstsein, religiöse Überfrachtung, das Austauschen allzu bedeutungsschwangerer Blicke ihrer Hauptfiguren im Angesicht der drohenden Niederlage. "The Matrix Resurrections" mag knapp 150 Minuten dauern und hat viel Zeit, den Kopf zu füttern, wirkt aber doch erfreulich entschlackt, befreit, lockerer, will nicht das Genrekino wieder neu erfinden, wie es dem ersten Teil von 1999 gelungen war und woran die beiden Sequels gescheitert waren. Aber er will mitreißen und verblüffen, was nicht so einfach ist nach den zahllosen Epigonen, die in den Fußstapfen der Originale folgten. Und schafft das immer wieder, ob anspielungsreich und unterhaltsam, wie am Anfang mit zahllosen Verweisen und neu eingezogenen doppelten Böden, oder mitreißend und plättend, wie im finalen Showdown, wenn Lana Wachowski bei einer Motorradverfolgungsjagd durch San Francisco zeigt, dass man auch 2021 noch große Action machen kann, die den Zuschauer staunen lässt.

Zunächst nimmt einen aber erst einmal das Spielerische und Augenzwinkernde ein, bevor der Film einmal mehr die Frage nach der längst sprichwörtlichen blauen oder roten Pille stellen kann: Cafés tragen den Namen Simulatte, Katzen heißen Déjà-Vu, und Carrie-Anne Moss

hat in dieser schönen neuen Welt nicht nur zwei Kinder, sondern auch einen Ehemann namens Chad, der von Chad Stahelski
gespielt wird, dem Regisseur der "John Wick"
-Filme, die Keanu Reeves ein unerwartetes Comeback beschert haben, das letztendlich den vierten "Matrix"-Film überhaupt erst vorstellbar machte. Moss' echter Ehemann Steven Roy wiederum gibt es einmal kurz als Reflektion von Neo/Anderson zu sehen. Überhaupt ist es ein Fest der selbstreferenziellen Metaebenen, weil in der Realität von "Resurrections" tatsächlich bereits drei Teile von "Matrix" existieren. Nur dass es sich hier um bahnbrechende Videogames handelt, die einst von dem Informatiker Thomas Anderson, wie der von Reeves gespielte Neo heißt, wenn er brav seine blauen Pillen nimmt, entwickelt wurden. Nun soll er auf Druck des Mutterkonzerns Warner Bros. einen vierten Teil entwickeln, gemeinsam mit einer Gruppe junger Games-Spezialisten, die in Sitzungen erörtern, was der ursprüngliche Reiz von "Matrix" ist, während Anderson eine schwere Identitätskrise und Schwierigkeiten, die Realität von sich immer häufiger manifestierenden Wahnvorstellungen zu unterscheiden, schon seit Jahren mit Hilfe des Analysten zu bekämpfen versucht. Alles etwas anders also. Was speziell auch dann noch gilt, wenn Anderson wieder eintaucht in die Welt, in der eine Gruppe von Rebellen weiterhin gegen die Maschinen kämpfen: Allianzen haben sich verändert. Wer einst Feind war, kann jetzt vielleicht Freund sein, und umgekehrt. Unverändert ist Neos Liebe zu Trinity, die es schließlich zu befreien gilt in einer gewaltigen Mission, die in beiden Welten des Films spielt.

Natürlich sind Keanu Reeves und Carrie-Anne Moss wieder der Mittelpunkt der diesmal von Lana Wachowski mit Hilfe von "Sense8"

-Autor Aleksandar Hemon
und dem Schriftsteller David Mitchell, dessen Roman "Cloud Atlas"
die Wachowskis zusammen mit Tom Tykwer
verfilmt hatten (Tykwer wiederum steuerte für "Resurrections" zusammen mit Johnny Klimek
den schmetternden Score bei) geschriebenen Geschichte: Klar, beide sind 18 Jahre älter, aber sie sehen immer noch umwerfend aus, wie gemacht für diesen vierten Teil, zu dem Neil Patrick Harris
, Jonathan Groff
, Jessica Henwick
und Yahya Abdul-Mateen II
neu zum Ensemble stoßen, während Jada Pinkett Smith
und Lambert Wilson
ihre alten Rollen jeweils mit einem eleganten neuen Dreh versehen. Was sich für den gesamten Film sagen lässt: Passé ist der ominöse grünstichige Look der ersten Trilogie, der unter den Kameramännern John Toll
und Daniele Massaccesi
einer gestochenen Schärfe gewichen ist, die für mehr Lebendigkeit sorgt. Der "Game Changer", den der damalige Produzent Joel Silver ganz richtig prophezeit hatte, als der Trailer von "Matrix" 1999 auf der ShoWest Premiere feierte, wird "Matrix Resurrections" vielleicht nicht mehr sein. Ebenso wenig wird es ihm gelingen, auf Jahre der Kompass der Popkultur zu sein. Aber er ist eine gelungene Fortsetzung, eine Wiedererweckung mit Wiedererkennung und neuen Impulsen. Und ein Film, den man gern sieht. Das ist nicht das Schlechteste.

Thomas Schultze

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